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Weibliche Führung ist bunt

Am 14.05.2013 lud das Bayerische Staatministerium für den Mittelstandspakt Bayern nach Nürnberg ins Sheraton-Charlton-Hotel ein. Klüngeln auf hohem Niveau - nicht nur die kulinarischen Häppchen waren vom allerfeinsten. Im Foyer tummelten sich ca. 100 Frauen und einige Quotenmänner mit dem erklärten Ziel, männliche Monokulturen in der Führung aufzubrechen und Vielfalt zu implementieren. Was schon von außen sichtbar war: Weibliche Führung ist bunt.


 

Gender Diversity – was haben Unternehmer davon?

Frauen sind kompetent und gut ausgebildet. Sie wollen mitreden, mitentwickeln, mitgestalten, Einfluss haben. Und Unternehmen? Sie brauchen kompetente Frauen – um im immer stärker werdenden Wettbewerb mithalten zu können. Sie brauchen Frauen und ihre Kompetenz. Denn Kernkompetenzen von Frauen lassen sich nicht auf Charme beschränken.

 

Umdenken in den Köpfen

In Deutschland gilt Elternzeit als Karriereknick. In Schweden werden Männer, die Elternzeit genommen haben, in Unternehmen gefördert, weil sie durch den Umgang persönliche Erfahrung sammeln konnte und ihre persönlichen Fähigkeiten weiter entwickeln konnten. Und dies ganz ohne aufwendiges Führungskräftetraining. Großen Beifall bekam auch das Statement: „Männer wollen oft zu Hause bleiben. Aber sie trauen sich nicht, weil sie Angst haben, in Unternehmen stigmatisiert zu werden.“

 

Vielfalt statt männlicher Monokulturen

Frauen sind hoch qualifiziert und motiviert, aber sie schaffen es – noch – nicht, sich den ihnen gebührenden Platz in den Unternehmen der Wirtschaft und Wissenschaft zu erkämpfen. Mehr als 50% der Uniabsolventen sind weiblich. Aber nur 3,7 % deutscher Vorstände, Aufsichtsräte, Top-Management sind weiblich. Frauen in Führung sind für Unternehmen kein nice-to-have, sondern ein must-have. Angesichts des demographischen Wandels werden in Deutschland bis zum Jahr 2025 laut Prognosen 6,5 Millionen Fachkräfte fehlen. Es ist also höchste Zeit für Unternehmen, auf Frauen zu setzen, wenn sie im Wettbewerb mithalten wollen. 

 

Frauenquote – ja oder nein?

Die Mehrzahl der anwesenden Frauen sprach sich für die Quote aus. Es gilt nicht das Motto „Qualifikation ODER Quote“. Renate Braun gab zu: „Schauen wir Politik. Es gibt zum Beispiel Länderquoten. Quoten sind ganz normal, wenn man ein bestimmtes Ziel erreichen will.“

 

Diversität ist messbar

Eva Maria Roer, Unternehmensfrau und Vorstandsfrau des gemeinnützigen Vereins Total-E-Quality, fränkische Schnodderfrau aus Bad Kissingen. Total-E-Quality e.V. setzt sich seit 1997 dafür ein, Unternehmen ab 15 Mitarbeiter zu qualifizieren – mittels eines Fragebogens durch freiwillige Selbstverpflichtung zur Chancengerechtigkeit von Frauen beitragen. Es wurden bislang 406 Prädikate an insgesamt 220 Organisationen verliehen. 

 

Dr. Martine Herpers, Geschäftsführerin von„Quality and Gender Consulting“beschäftigt sich mit der Messbarkeit von Gender Diversity im Unternehmen. Ende Mai erschien im Haufe-Verlag ihr Buch „Erfolgsfaktor Gender Diversity“. Das Buch verschafft Ihnen einen Überblick über die aktuelle Gleichstellungsdiskussion in Politik und Wirtschaft und macht konkrete Vorschläge für weibliches Leadership.  

 

Frauen brauchen Rahmenbedingungen & Chancen

Es wurde unterstrichen, dass Frauen nicht unter Doppelbelastung Kinder, Küche und Karriere zusammenbrechen, sondern Entlastung und Unterstützung durch Infrastruktur brauchen: Qualifizierte Kindergartenplätze, Ganztagsschulen, familienfreundliche Arbeitsplätze und –-zeiten. Frau Renate Braun unterstrich aus ihren langjährigen Erfahrung als Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Passau, dass Führung in Teilzeit möglich ist sowie der Übergang von einer Präsenz- zu einer Ergebniskultur.

 

Fördern und Befördern

Manchmal brauchen Frauen einen Schubbs! Frau Katja Hessel gibt zu, dass sie dankbar ist, für den Posten als Staatssekretärin von einem männlichen Kollegen vorgeschlagen worden zu sein. Frauen trauen sich oft zu wenig zu, haben nicht genug Selbstvertrauen und zweifeln oft – unnötigerweise! - an ihren eigenen Fähigkeiten. Frauen tut es deshalb gut, gefördert und befördert zu werden. Uta von Boyen, Geschäftsführerin von „von boyen – consulting“ hat es geschafft, sich mit einer Unternehmensberatung in München am Prinzregentenplatz selbständig zu machen. Sie streicht sich eine blonde Strähne aus dem geröteten Gesicht und vertritt vehement die Ansicht: „Wir brauchen keine Frauenförderungsprogramme. Frauen sind hochqualifiziert. Diese tollen Frauen gibt es seit 10, 20, 30 Jahren und sie haben es bis heute nicht geschafft. Was wir brauchen sind Programme, die Frauen Mut machen zur Führung und Mut machen, ihren Ehrgeiz zu entwickeln.“

 

Coaching kann helfen

Vielen Führungsfrauen hat Coaching geholfen, dahin zu kommen, wo sie jetzt sind. Kathrin Koch, von den Wirtschaftsjunioren Nürnberg, Unternehmenstochter, hat es mit Realschulabschluss in die Führung geschafft. Ihr hat Coaching bei der Entwicklung von Selbstbehauptung und Rollenfindung geholfen. Auch Sparkassen-Vorstandsfrau Renate Braun ist bekennender Coachee: „In meiner Position bekommt man kein Feedback mehr. Selbstreflexion ist aber notwendig, um sich zu behaupten und weiter zu entwickeln“, begründet Renate Braun, warum sie sich coachen lässt.

 

Was kann Coaching leisten?

  • Coaching kann helfen: 
  • Die eigenen Fähigkeiten erkennen 
  • Vermittlung von Branchenkenntnisse 
  • Ein klares Statement zu formulieren 
  • Verhalten ändern & Strategien schmieden 
  • Männerdominierte Statussprache kontern 
  • Mut machen, Selbstvertrauen stärken 
  • Resonanz geben 
  • Reflektion & Selbstreflektion

 

Zusammenfassung

Unternehmen brauchen qualifizierte Frauen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Frauen sind hochqualifiziert und motiviert. Als Familienfrau brauchen sie Chanen und Rahmenbedingungen. Unternehmen und Gesellschaft brauchen die Kompetenz der Frauen. Hierfür ist ein Umdenken in den Köpfen notwendig.